Parson oder Jack Russell Terrier

Das Original steht nicht auf kurze (n) Beine (n)!

Als Welpeninteressent hat man´s nicht leicht, wenn man auf der Suche nach einem Züchter ist. „Hochbeinig“ soll der Russell sein – aber: Wie heißt er denn nun richtig?

Jack Russell, Parson Jack Russell, Parson Russell Terrier – viele Namen für ein und den selben Hund, oder wie war das denn nun? Erschwerend hinzu kommt, dass es verschiedene Vereine gibt, die diese Rasse(n) betreuen: in Deutschland gibt es derzeit mindestens 5 davon. Wie also den Überblick bewahren und wo soll man suchen? Gibt es denn den ultimativ „richtigen“ Jack Russell bzw. Verein oder Züchter? Und was sind eigentlich die Unterschiede?

Hierzu ein kurzer Überblick über die derzeitige „Züchterlandschaft“: Ganz grob betrachtet gibt es zwei Sparten von Züchtern bzw. Standards

1. Der original englische Standard von 1974. Dieser Hund hieß und heißt hier weiterhin JACK RUSSELL TERRIER und es handelt sich immer um einen HOCHLÄUFIGEN Arbeitsterrier! Dieser Standard ist Grundlage für beide, in Großbrittanien bestehenden Arbeitsterrier-Clubs, den Jack Russell Terrier Club of Great Britain und den British Jack Russell Terrier Club

2. Der FCI-Standard, der wesentlich später entstand (2001) und in dessen Zuge der Anerkennung des Jack Russell Terriers die Rasse umbenannt wurde in PARSON RUSSELL TERRIER. Besonders verwirrend ist in diesem Zusammenhang, dass die FCI schon im Jahr 1990 den Jack Russell vorläufig anerkannte und ihn derzeit PARSON JACK RUSSELL TERRIER nannte.

Und jetzt wird es nochmals kompliziert: In der FCI gibt es tatsächlich auch einen niederläufigen, sprich kurzbeinigen Typ! Name: Jack Russell Terrier! Ursprung hat der dafür geltende Standard in Australien!

Für Züchter die sich am Original-Standard orientieren, ist diese ganze Angelegenheit, nun, sagen wir einmal salopp: etwas lästig…: inserieren sie in den üblichen Anzeigesparten „ihre“ Jack Russells, besteht ständig Verwechslungs“gefahr“ nicht nur mit dem niederläufigen FCI-Jack-Russel, sondern auch noch mit den allseits beliebten sogenannten „Reiter-Jackys“. Dies ist der Grund, warum viele Züchter des Originals das „Parson“ vorweg stellen: um deutlich zu machen, dass es sich eben NICHT um eine kurzbeinige Variante handelt.

Sie sind nun hoffentlich schon soweit darüber aufgeklärt, dass Sie wissen: Original englischer Standard bedeutet zumindest: dieser Terrier heißt Jack Russell Terrier und er ist tatsächlich auch hochläufig! In der FCI wiederum trägt der hochläufige Typ den Namen Parson Russell Terrier und ein Jack Russell Terrier laut FCI – Standard ist ein NIEDERLÄUFER!

Achten Sie bei Ihrer Recherche also immer auf den Standard, der der jeweiligen Zuchtstätte zugrunde liegt! Wenn Sie auf der Suche nach einem hochläufigen Russell sind, orientieren Sie sich folgendermaßen:

Hochläufig sind:

  • Jack Russell Terrier nach original englischem Standard (25,4 – 38,1 cm)
  • Parson Russell Terrier nach FCI-Standard (Rüden 36 cm +/- 2 cm, Hündinnen 33 cm +/- 2 cm)

Niederläufig sind:

  • Jack Russell Terrier nach FCI – bzw. australischem Standard (25 – 30 cm/ Klub für Terrier/VDH)
  • die beliebten sogenannten „Reiter-Jackys“, die in der Regel ohne Papiere/ Vereinszugehörigkeit gezüchtet werden

Kommen wir nun zu den Unterschieden, und auch hier versuche ich, mich auf das Wesentliche zu beschränken: Ein auffallender Unterschied zwischen den Standards ist zunächst die Größe

Originalstandard: 25,4 bis 38,1 cm

FCI-Standard: ideale Größe Rüden 36cm, Hündinnen 33cm (+/- 2cm Abweichung)

Im Originalstandard gibt es keine „ideale“ Größe. Der Jack Russell als Arbeitsterrier folgt der Devise: die Form folgt der Funktion! Ein kleinerer Russell hat demzufolge auch mehr Bewegungsfreiheit im Fuchsbau. Je nach Arbeitsweise und Einsatzgebiet bevorzug(t)en die Arbeitsterriermänner demnach verschieden große Terrier – eine „Idealgröße“ gab bzw. gibt es hierfür nicht.

Viel mehr Wert wird auf die Spannbarkeit (Brustumfang) gelegt – sie bestimmt zu einem wesentlichen Anteil, wie leicht der Terrier sich in einem oft weitläufigen Gangsystem des Fuchsbaus voranbewegen kann.

Hinzu kommt, dass es ungleich schwieriger ist, einen „kleinen“ (unter 30,5 cm) Jack Russell zu züchten, der die gleichen Proportionen haben soll wie ein größerer Vertreter seiner Rasse. Übrigens ist es NICHT richtig, dass ein kleinerer Terrier Schwierigkeiten mit dem Treppensteigen o.ä. hat!

Der Originalstandard wurde erstellt von Arbeitsterriermännern, nach den Gesichtspunkten, die diese Rasse entstehen liessen – ein kleiner Arbeitsterrier, dessen Körperbau ausgerichtet sein sollte auf die FUNKTIONALITÄT, die Fähigkeit, in einen Bau einzuschliefen und den Fuchs zu sprengen (= aus dem Bau zu vertreiben). Die Vielfalt im Typ, im Aussehen, ist gewollt und keinesfalls strebt(e) man nach einem einheitlichen Aussehen bzgl. Größe oder Haarart/Farbe/Markierung.

Die derzeitige (reelle) Situation ist letztendlich nicht alleine am Standard bzw. dem Verein festzumachen: Sie finden auch in der FCI einige Züchter, deren Hunde dem Original-Typ entsprechen. Ebenso umgekehrt. Hier gilt, dass die Sorgfalt des Züchters darüber bestimmt, wie „gut“ seine Hunde, seine Zuchtziele sind – nicht einfach nur die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Verein!

©Christina Geiger-Memmer